Was ist eine Gleitsichtbrille?

Ab wann man sie braucht, worauf du beim Kauf achten solltest

Mit zunehmendem Alter bemerkst du vielleicht, dass du beim Lesen die Zeitung weiter von dir strecken musst oder dass dein Blick zwischen Smartphone und Straßenschild immer mühsamer wird. Eine Gleitsichtbrille (Mehrstärkenbrille) kann hier die richtige Lösung für dich sein. Ob eine Gleitsichtbrille für dich geeignet ist und worauf du bei der Auswahl deiner (ersten) Gleitsichtbrille achten solltest, erfährst du hier. 

Gleitsichtbrille einfach erklärt 

Eine Gleitsichtbrille ist eine Sehhilfe, die drei Sehbereiche in einem einzigen Glas vereint: Ferne, Mitte und Nähe. Im Gegensatz zu einer klassischen Lesebrille oder einer Bifokalbrille mit sichtbarer Trennlinie ermöglicht sie einen fließenden, stufenlosen Übergang zwischen den verschiedenen Sehzonen. 

Das Herzstück sind die Gleitsichtgläser: Im oberen Bereich des Glases ist die Korrektur für die Ferne eingeschliffen, im unteren für die Nähe. Dazwischen befindet sich der sogenannte Progressionskanal – ein gleitender Übergangsbereich, über den du mittlere Entfernungen scharf siehst, etwa den Computerbildschirm. Dieses Design macht sie zum Allrounder unter den Brillen: Du trägst nur eine einzige Brille für alle Lebenslagen. 

Welches Gestell eignet sich als Gleitsichtbrille? 

Bei der Wahl des Brillengestells solltest du einiges beachten, denn nicht jedes Gestell ist für Gleitsichtgläser gleich gut geeignet. 

Höhe der Fassung: Das Glas braucht eine ausreichende Einbauhöhe von mindestens 22–25 mm, damit alle Sehzonen optimal genutzt werden können. Sehr schmale oder randlose Modelle schränken den Sehbereich ein. 

Sitz und Anpassung: Eine präzise Zentrierung durch den Optiker ist entscheidend. Gleitsichtgläser müssen exakt auf deine Pupillenposition abgestimmt sein. Schon wenige Millimeter Abweichung können das Sehergebnis verschlechtern und eine falsch zentrierte Brille kann zu Problemen führen. 

Leichtes Material: Da Gleitsichtgläser etwas dicker sind als Einstärkengläser, lohnt sich oft ein hochwertiges, dünnes Glasmaterial (z. B. mit hohem Brechungsindex), vor allem bei stärkerer Korrektur. Bei eyes + more verwenden wir einen Brechungsindex von 1,6 als Standard. Damit sind unsere Brillengläser spürbar dünner und leichter. 

Kunststoff oder Mineralglas: Welches Material ist besser?

Ab wann brauche ich eine Gleitsichtbrille? 

Eine Gleitsichtbrille wird in der Regel empfohlen, sobald du sowohl eine Korrektur für die Ferne als auch für die Nähe benötigst. Der entscheidende Faktor ist die sogenannte Alterssichtigkeit (Presbyopie), in der der altersbedingte Verlust der Akkommodationsfähigkeit des Auges beginnt, also die Fähigkeit, scharf auf unterschiedliche Entfernungen zu fokussieren. 

Als grober Richtwert gilt: Ab einer Nahkorrektur von etwa +1,0 Dioptrien aufwärts in Kombination mit einer bestehenden Fernsichtkorrektur kann eine Gleitsichtbrille sinnvoll sein. Unsere Optik-Experten oder dein Augenarzt ermittelt die genauen Werte bei einem Sehtest und beraten dich individuell. 

5 Tipps, worauf du beim Kauf einer Gleitsichtbrille achten solltest 

Eine Gleitsichtbrille ist eine Investition und damit sie am Ende wirklich passt und du sie mit Freude trägst, gibt es einige wichtige Punkte, die du bereits vor und während des Kaufs im Blick haben solltest: 

Kein Sehtest während einer Allergiephase 

Leidest du unter Allergien, solltest du den Sehtest möglichst nicht mitten in einer akuten Phase durchführen. Denn wenn deine Augen gereizt sind, können nicht nur die Lider, sondern auch die Hornhaut leicht geschwollen sein und das verfälscht das Messergebnis. Im Zweifel lieber ein paar Tage warten und mit klaren Augen zum Optiker gehen. 

Ausgeschlafen zum Sehtest 

Klingt selbstverständlich, wird aber oft unterschätzt: Bitte geh ausgeruht zum Sehtest. Wenn du müde bist, verändert sich dein Tränenfilm, du blinzelst seltener und deine Konzentration lässt nach. Dies sind Faktoren, die die Messgenauigkeit beeinflussen können. Ein Sehtest am frühen Morgen nach einer schlechten Nacht ist keine gute Idee. 

Medikamente können die Sehstärke beeinflussen 

Bestimmte Medikamente – insbesondere solche für Diabetiker – können die Sehleistung im Tagesverlauf spürbar verändern. Ob du den Sehtest vor oder nach der Einnahme machst, kann also einen Unterschied machen. Einen Hinweis darauf findest du häufig im Beipackzettel unter den Nebenwirkungen. Wenn du betroffen bist, sprich offen mit deinem Optiker darüber. Manchmal ist es sinnvoll, die Messung zwei- oder dreimal auf verschiedene Tage verteilt zu wiederholen, um sich den realistischen Werten anzunähern. 

Die richtige Fassung: Größe und Material 

Gleitsichtgläser brauchen Platz, um alle drei Sehbereiche sinnvoll unterzubringen. Als Richtwert gilt eine Glashöhe von mindestens 22–25 mm. Zu kleine Fassungen schränken die nutzbaren Sehzonen ein – zu große bringen aber auch nicht automatisch mehr. Beim Material empfiehlt sich eine Kunststofffassung: Sie lässt dem Optiker mehr Spielraum bei der nachträglichen Anpassung, falls die Gläser noch feinjustiert werden müssen. 

Besonders wichtig: das Anzeichnen 

Der vielleicht wichtigste Schritt beim Kauf einer Gleitsichtbrille ist das sogenannte Anzeichnen. Dabei werden deine Pupillenpositionen millimetergenau auf den Gläsern markiert und bilden die Grundlage dafür, dass alle Sehbereiche exakt dort sitzen, wo dein Auge sie braucht. Berücksichtigt werden dabei unter anderem der Augenabstand (PD), die Einschleifhöhe, der Hornhautscheitelabstand, die Vorneigung der Fassung sowie der Fassungsscheibenwinkel. 

Achtung: Steh beim Anzeichnen locker und natürlich – so wie du immer stehst. Mach dich nicht kleiner oder größer, um dich an dein Gegenüber anzupassen. Schon wenige Millimeter Abweichung können später zu Unverträglichkeiten und einer falsch zentrierten Brille führen. Je entspannter und natürlicher du in diesem Moment bist, desto präziser kann der Optiker arbeiten und desto besser wirst du deine neue Gleitsichtbrille am Ende tragen. 

Gleitsichtbrille bei Hornhautverkrümmung 

Eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) schließt das Tragen einer Gleitsichtbrille nicht aus. Der Astigmatismus wird einfach als zusätzliche Komponente in die Gläser eingerechnet. Allerdings steigt damit die Komplexität der Glaskorrektur: Das Glas muss Ferne, Nähe, Übergangsbereich und die Zylinderkorrektur für die Verkrümmung berücksichtigen. 

Das macht eine besonders sorgfältige Anpassung durch den Optiker umso wichtiger.

Für wen ist eine Gleitsichtbrille geeignet? 

Gleitsichtbrillen sind ideal für Menschen, die 

  • ab Mitte 40 erste Probleme beim Nahsehen bemerken (Alterssichtigkeit ist ein ganz natürlicher Alterungsprozess) 
  • bereits kurz- oder weitsichtig sind und zusätzlich eine Lesekorrektur benötigen 
  • keine Lust haben, ständig zwischen verschiedenen Brillen zu wechseln 
  • einen aktiven, abwechslungsreichen Alltag haben, bei dem verschiedene Entfernungen wichtig sind 


Für wen ist eine Gleitsichtbrille weniger geeignet? 

So praktisch eine Gleitsichtbrille ist, sie ist nicht für jeden die beste Wahl: 

Menschen ohne Fernkorrektur mit reiner Alterssichtigkeit kommen oft gut mit einer einfachen Lesebrille aus. 

Handwerker oder Sportler, die sehr spezifische Sehaufgaben haben (z. B. ausschließlich Naharbeit), sind mit einer Spezialbrille oft besser beraten. 

Wer sich trotz intensiver Eingewöhnung dauerhaft unwohl fühlt, sollte mit einem Optiker offen über Alternativen sprechen. 

Achtung: Menschen mit bestimmten vestibulären Störungen oder Gleichgewichtsproblemen können auf den Verzerrungseffekt in den Randbereichen der Gleitsichtgläser empfindlich reagieren.

Tipps zur Eingewöhnung 

Die gute Nachricht: Die meisten Menschen gewöhnen sich schnell an ihre Gleitsichtbrille. Die weniger gute: Es braucht manchmal etwas Geduld. Rechne mit einer Eingewöhnungszeit von bis zu vier Wochen in Ausnahmefällen

Diese 5 Tipps helfen dir dabei: 

Trag die Brille konsequent! Auch wenn es anfangs komisch wirkt. Wenn du die Brille nur gelegentlich aufsetzt, verlängerst du die Eingewöhnungsphase. 

Wechsel nicht zwischen verschiedenen Brillen. Vermeide es wirklich, in der Eingewöhnungsphase auf Gewohnheit oder Bequemlichkeit zur vorherigen Einstärkenbrille zu greifen. 

Kopf mitbewegen: Beim Sehen mit Gleitsichtgläsern ist es wichtig, den Kopf in Richtung des Blickziels zu drehen, statt nur die Augen seitlich zu bewegen.  

Treppe steigen: Schau beim Treppensteigen bewusst nach unten durch den richtigen Glasbereich. Das fühlt sich anfangs ungewohnt an, wird aber schnell zur Routine. 

Melde dich bei deinem Optiker, wenn nach spätestens vier Wochen noch starke Beschwerden bestehen. Manchmal ist eine Nachjustierung nötig. 

Wichtig: Erst nachdem du dich an deine neue Gleitsichtbrille gewöhnt hast und dich sicher mit den verschiedenen Sehbereichen fühlst, solltest du Autofahren. Achte hier bewusst darauf, durch den oberen Teil des Glases zu schauen, da dieser für die Fernsicht ist. 

Die Vorteile einer Gleitsichtbrille auf einen Blick 

Warum entscheiden sich so viele Menschen für eine Gleitsichtbrille? Die Antwort liegt auf der Hand: 

Ein Glas für alles: Ferne, mittlere Distanz und Nähe: du brauchst nur eine einzige Brille. 

Kein lästiges Wechseln: Schluss mit dem ständigen Griff zur Lesebrille beim Speisekarte lesen oder zur Fernbrille beim Autofahren. 

Ästhetisch unauffällig: Keine sichtbare Trennlinie wie bei Bifokalgläsern. Von außen sieht eine Gleitsichtbrille wie eine ganz normale Brille aus. 

Modern und individuell: Heutige Gleitsichtgläser werden individuell auf dein Auge und deine Sehgewohnheiten abgestimmt.

Flexibel im Alltag: Ob Autofahren, Büroarbeit, Sport oder Restaurantbesuch. Die Gleitsichtbrille begleitet dich durch jeden Moment des Tages. 

 

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